Der Kompromiss: Retter oder Zerstörer einer Beziehung?

Jeder Mensch ist individuell und anders als alle anderen, was im Grunde genommen ja auch gut ist. Diese Individualität kann innerhalb einer Beziehung jedoch zu Beziehungskonflikten führen, wenn keiner der beiden Partner dazu in der Lage oder Willens ist, seine Eigenheiten aufzugeben oder zumindest so abzuändern, dass sie den Partner nicht stören. Eine gesunde Partnerschaft lebt also davon, dass beide Partner dazu bereit sind, Kompromisse einzugehen. Genau das ist aber ein relativ schmaler Balanceakt, denn zu viele Kompromisse können die Gefühle zwischen den Partnern sehr wohl auch zerstören.

 

Was ist ein Kompromiss?

 

Als Kompromiss wird eine Form der Konfliktlösung bezeichnet, bei der jeder der Beteiligte auf einen Teil seiner Forderungen verzichtet und mit dem Verhandlungspartner eine freiwillige Übereinkunft darüber trifft. Jeder Beteiligte verlässt also die Position, die er zunächst vertreten hat und bewegt sich auf seinen Verhandlungspartner zu, mit dem er sich auf eine neue Position einigt, die von beiden Seiten formuliert wurde.

 

Gibt es einen idealen Kompromiss?

 

Ein idealer Kompromiss würde also so aussehen, dass beide Partner damit glücklich sind, was in der Realität aber eher unwahrscheinlich ist. Denn damit überhaupt ein Kompromiss gefunden werden muss, muss zuvor ein Beziehungskonflikt stattgefunden haben. Ein Kompromiss macht also in den seltensten Fällen in der jeweiligen Sache glücklich.

 

Warum eine Beziehung Kompromisse braucht

 

Wer eine Partnerschaft eingeht, hat sich aktiv für seinen Partner entschieden, weil er davon überzeugt ist, dass dieser ihm sehr ähnlich ist und hervorragend zu ihm passt. Trotzdem haben die beiden Partner völlig unterschiedliche Charaktere, weshalb sie zwangsläufig auch immer wieder aneinander geraten – ganz gleich, wie ähnlich sie sich auch sein mögen.

 

Kommt es schließlich zu einer heftigen Diskussion, wird zwangsläufig jedem beteiligten bewusst, dass ein Kompromiss die bessere Alternative darstellt, statt mit dem Kopf durch die Wand zu gehen. Um einen Kompromiss einzugehen, müssen allerdings beide Partner vom ursprünglichen Standpunkt abweichen und aufeinander zugehen, um sich irgendwo in der Nähe der Mitte zu treffen. In der Partnerschaft kann ein Kompromiss aber auch so aussehen, dass einmal der eine Partner das Sagen hat, ein anderes Mal der andere.

 

Wenn die Kompromisse zu viel werden

 

Zu viele Kompromisse werden in einer Partnerschaft dann eingegangen, wenn einer der Partner irgendwann das Gefühl hat, dass er sich nur noch nach dem anderen richtet und seine eigenen Bedürfnisse dabei total vernachlässigt. Dass einer der Partner manipuliert wird und innerhalb der Beziehung ein Ungleichgewicht herrscht, merken die Betroffenen oft gar nicht einmal. Sie geben stets klein bei, weil eben der Partner den Ton angibt. Wie sehr sie sich selbst dabei verbogen haben, merken sie in aller Regel erst, wenn es zu einer Trennung gekommen ist und sie selbst ihr Leben wieder komplett in die eigene Hand nehmen müssen.

 

Geht es um Dinge wie die Wahl des Fernsehprogramms, die Planung des Urlaubs oder die Freizeitgestaltung, stellen Kompromisse meist nicht das geringste Problem dar. Zumindest, wenn die Wünsche beider Partner in irgendeiner Art berücksichtigt wurden. Schwierigkeiten gibt es jedoch, wenn der Kompromiss den eigenen Charakter, die Wertvorstellungen oder den Lebensentwurf betrifft. Hier stellt sich zwangsläufig jeder die Frage, ob er sich wirklich komplett verbiegen will, nur weil das dem Partner gefallen würde.

 

Wenn kein Kompromiss möglich ist

 

Obwohl Kompromisse die Basis für jede gute Beziehung darstellen, gibt es sehr wohl Themen, bei welchen keine Kompromisse möglich sind. Typische Themen in der Partnerschaft sind etwa Heiraten oder Kinder bekommen. Wer auf jeden Fall heiraten und Kinder bekommen möchte, wird mit einem Partner, der das ganz und gar nicht will, also alles andere als glücklich. Hier einen Kompromiss zu suchen, ist völlig sinnlos, weil diese Beziehung ohnehin zum Scheitern verurteilt ist.

 

Was tun, wenn Unzufriedenheit herrscht?

 

Nicht selten stellt ein Partner im Lauf der Zeit fest, dass er sich seines Partners zuliebe auf einen Kompromiss eingelassen hat, mit dem er alles andere als glücklich ist. Etwa wenn es um die Frage geht, bei wessen Familie Feiertage wie Weihnachten oder Ostern gefeiert werden. In diesem Fall kann der unzufriedene Partner jederzeit erklären, dass er sich mit der getroffenen Vereinbarung nicht wohl fühlt. Allerdings sollte er einen Gegenvorschlag parat haben. Beispielsweise, dass das Paar Heiligabend allein verbringt und an den beiden Feiertagen mit den Familien feiert.

 

Sich selbst treu bleiben

 

Ein Kompromiss stellt für keinen der Beteiligten ein Problem dar, solange jeder sich selbst treu bleibt. Schwierigkeiten kann es unter Umständen geben, wenn jemand nach einer langen Zeit des Alleinseins eine neue Partnerschaft eingeht und der Partner den Freunden ablehnend gegenüber steht. Die meisten Menschen reagieren darauf damit, dass sie die Verabredungen mit ihren Freunden immer öfter absagen und ihre Zeit ausschließlich mit dem Partner verbringen.

 

Jedoch ist es in einer Beziehung zwar wichtig, auf den Partner und seine Bedürfnisse einzugehen, allerdings sollte jeder Partner seine Individualität bewahren. Denn nur weil der Partner beispielsweise eine Sprache lernen möchte, heißt das noch lange nicht, dass der gemeinsame Urlaub in den nächsten Jahren in Ländern verbracht werden muss, in welchen die Sprache gesprochen wird. Gleiches gilt, wenn der Partner sehr religiös ist und jeden Sonntag in die Kirche gehen möchte. Der Partner muss keinesfalls mitgehen. Möchte er den Partner aber trotzdem verwöhnen und zeigen, dass er ihm wichtig ist, kann er in der Zeit auch ein romantisches Sonntagsfrühstück vorbereiten.

 

Wenn Kompromisse die Beziehung zerstören

 

Es gibt sehr wohl auch Bereiche, in welchen ein Kompromiss die Beziehung komplett zerstören kann. Etwa, wenn es um die eigene Persönlichkeit geht. In diesem Bereich sollte keinesfalls ein Kompromiss eingegangen werden.

 

Schwieriger wird es, wenn es um die berufliche Situation geht, weil diese einen erheblichen Einfluss auf die gemeinsame Zeit hat. Arbeitet einer der Partner in seinem absoluten Traumberuf, sollte er diesen für die Beziehung keinesfalls aufgeben, weil er es später bereuen wird.

 

Ein nicht minder wichtiges Thema ist die eigene Unabhängigkeit. So sollten die Partner durchaus auch einmal etwas allein unternehmen oder ihren Hobbys nachgehen. Dann kann sich jeder nämlich auch mit Menschen treffen, mit welchen der Partner ein Problem hat.

 

Keinesfalls sollten die Partner ihre Wünsche und Träume für die Zukunft aufgeben, weil es sie glücklich macht, auf ein Ziel hin zu arbeiten. Im günstigsten Fall lassen sich diese Wünsche ja sogar in Einklang bringen, sodass beide Partner an einem gemeinsamen Ziel arbeiten.

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