Ehrlichkeit – die Basis für eine gute Beziehung

Zu den grundlegenden Pfeilern einer funktionierenden und glücklichen Beziehung zählt Ehrlichkeit. Das bedeutet allerdings nicht, dass der Partner die eigene Vergangenheit bis ins kleinste Detail erfahren muss oder dass er über jeden Gedanken oder jedes intime Geheimnis informiert werden muss. Das kann einer Beziehung nämlich im Gegenteil sogar schaden.

 

Was ist Ehrlichkeit?

 

Bei Ehrlichkeit handelt es sich um eine sittliche Eigenschaft, mit der Offenheit und Aufrichtigkeit verbunden werden. Denn ehrliche Menschen täuschen und belügen andere Menschen nicht, sondern sagen stets die Wahrheit. Allerdings können Menschen, die stets ehrlich sind, auch rasch ein Problem haben. Denn wenn sie nicht lügen und kein Blatt vor den Mund nehmen, fühlen sich andere unter Umständen vor den Kopf gestoßen oder gar gekränkt. Ehrliche Menschen riskieren also, abgelehnt zu werden und in Konflikte hinein gezogen werden, die sie nicht möchten. Das Verschweigen mancher Dinge oder die eine oder andere Notlüge stellen also in gewisser Weise einen sozialen Kitt dar. Das gilt insbesondere in Beziehungen, wo absolute Ehrlichkeit zwar unabdingbar ist, aber auch zu einem Beziehungskonflikt führen kann.

 

Was bedeutet Ehrlichkeit in der Beziehung?

 

Für viele Menschen ist Ehrlichkeit eine absolute Grundvoraussetzung dafür, eine Beziehung einzugehen und zu führen. Das ist durchaus logisch und nachvollziehbar. Denn niemand möchte belogen werden, erst recht nicht von dem Menschen, mit dem er Tisch und Bett teilt.

 

Schließlich geben Menschen, die eine Beziehung eingehen, vieles preis, was für sie selbst das Intimste darstellt. Sie teilen ihre geheimen Gedanken und ihren Körper mit einem anderen Menschen. Ehrlichkeit erscheint also als beste Strategie, weil hier vieles geteilt wird, von dem kein Dritter erfahren soll. Ehrlichkeit zahlt sich in einer Beziehung aber nicht in allen Situationen aus. Das gilt insbesondere für Situationen, in welchen der Partner die ganze Wahrheit wissen will.

 

Ehrlichkeit nach einem Betrug

 

Fremdgehen gehört zu den schlimmsten Dingen, die in einer Beziehung geschehen können. Der betrogene Partner fühlt sich belogen, verletzt und möchte möglichst alles darüber wissen. Denn ihn quält auch die Frage, was der andere hatte, das er selbst nicht hatte. Der Betrogene möchte folglich auch wissen, wie der andere aussieht und was er macht. Ihn quält ein fast übermenschliches Bedürfnis, alles rund um diesen Betrug zu erfahren.

 

Und dieses Bedürfnis sollte der Partner, der fremdgegangen ist, auch ernst nehmen. Denn wollen beide Partner das, können sie damit anfangen, ihre Beziehung langsam wieder aufzubauen und Schritt für Schritt das gegenseitige Vertrauen zurückzugewinnen. Doch das ist ein relativ schmaler Grad. Denn es gibt auch eine Form von Ehrlichkeit, die weit über dass Gewünschte hinaus schießt. Diese Form von Ehrlichkeit grenzt aus psychologischer Sicht fast schon an Aggression.

 

Wird alles gesagt, verletzt das

 

Dass ein Partner fremdgeht, geschieht in aller Regel nicht aus heiterem Himmel von jetzt auf gleich. Sehr oft ist der Fremdgeher in der eigenen Beziehung unzufrieden. Das könnte er dem Partner natürlich auch mitteilen, jedoch erscheint der Betrug oft als nächstliegendere und leichtere Variante zum Stillen der eigenen Bedürfnisse.

 

Ist der Betrug erst einmal passiert, stehend sich zwei Partner mit völlig unterschiedlichen Interessen gegenüber: Der eine möchte möglichst alles wissen, während der andere am liebsten gar nichts sagen würde. Gelegentlich sagt der Betrüger aber dann doch alles, woraufhin es zu Aggressionen kommt. Der Grund: Ist der Betrüger uneingeschränkt ehrlich, verletzt er damit nahezu zwangsläufig den Betrogenen. Denn unter Umständen stellt sich heraus, dass der Betrug an einem Ort begonnen hat, der beiden Partnern etwas bedeutet – oder dass er gar im gemeinsamen Bett stattgefunden hat.

 

Erfährt der Betrogene das, wird es ihm äußerst schwer fallen, künftig wieder neues Vertrauen zum Partner aufzubauen. Will der Betrüger die Beziehung retten, macht es also durchaus Sinn, dass er nicht alles in allen Einzelheiten erzählt und kleine Details verschweigt. Denn diese sind es in aller Regel, die äußerst verletzend für den Partner sind. Diese verfolgen ihn unter Umständen für eine sehr lange Zeit.

 

Ehrlichkeit zu sich selbst

 

Wer bemerkt, dass von ihm Ehrlichkeit gefordert wird, sollte sich die Frage stellen, welchem Zweck die Ehrlichkeit dienen soll. Also, ob es lediglich darum geht, das eigene, schlechte Gewissen zu erleichtern, oder eine neue Basis für die gemeinsame Beziehung zu schaffen. Wichtig ist also in erster Linie, dass jeder sich selbst gegenüber ehrlich ist und bleibt.

 

Was bedeutet Ehrlichkeit in der Beziehung?

 

Ehrlichkeit ist also ein wichtiger Schlüssel für eine gut funktionierende Beziehung. Allerdings muss der Partner nicht über alle Einzelheiten aus der persönlichen Vergangenheit informiert werden. Auch sollten bei einem Gespräch die Sätze so formuliert werden, dass sie den Partner nicht kränken. Beispielsweise, wenn ein Partner dem anderen mitteilen möchte, dass dieser ein paar Pfunde zu viel auf den Rippen hat.

 

Denn das hat möglicherweise zur Folge, dass der Partner traurig oder ärgerlich wird oder sich sogar verletzt fühlt. Vielmehr geht es darum, mit dem Partner offen und ehrlich über jene Dinge zu sprechen, die für die Beziehung wichtig sind. Doch auch das erfordert eine gewisse Stärke und ein gewisses Maß an Mut. Was sich aber langfristig betrachtet in jedem Fall lohnt, weil Unehrlichkeit in einer Beziehung in aller Regel unangenehme Folgen haben. Denn der betrogene oder belogene Partner empfindet das als einen Vertrauensbruch, der sich nur äußerst schwer wieder kitten lässt.

 

Über kurz oder lang ist der betrogene oder belogene Partner misstrauisch und verliert auch den Respekt vor seinem Partner. Das wiederum bedeutet, dass durch Ehrlichkeit in der Beziehung Vertrauen geschaffen wird, was eine unerschütterliche Basis für das gemeinsame Zusammenleben darstellt.

 

Angst vor der Ehrlichkeit

 

Allerdings sind die meisten Menschen von der Angst geplagt, ihr eigenes Ich nach außen hin zu zeigen. Dahinter steckt die Angst davor, dass sie ihren Partner verlieren könnten, wenn sie so sind wie sie sind. Also versteckt sich jeder – gerade am Anfang einer Beziehung – hinter einer Maske und gibt zumindest in Teilbereichen vor, jemand zu sein, der er nicht ist. Bei dieser Form einer geschönten Selbstdarstellung gibt es jedoch ein Problem: Der Partner könnte den Schwindel zum einen durchschauen, zumindest aber weiß er nicht, wie es im Betroffenen aussieht. Deshalb versteht er so manche Reaktion nicht oder interpretiert sie falsch. Und genau dadurch wird nicht nur echte Intimität verhindert, es kann auch zu ernsthaften Beziehungskonflikten führen.

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